Taubenschwänzchen

Taubenschwänzchen – ein Kolibri in Deutschland?

Solltest Du in Deutschland einen Kolibri entdecken, dann wird dies vermutlich ein Taubenschwänzchen sein. Das Taubenschwänzchen ist jedoch ein Falter und gehört zu der Familie der Schmetterlinge. Genauso wie ein Kolibri kann das Taubenschwänzchen im Schwirrflug in der Luft stehen und sogar rückwärts fliegen. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, sieht man diese außergewöhnlichen Tiere immer häufiger bei uns.

Taubenschwänzchen, die Merkmale

Seinen Namen hat das Taubenschwänzchen bekommen, weil es ein geteiltes Hinterteil hat, das mit weißen Flecken gezeichnet ist. So sieht es mit ein wenig Fantasie einem Taubenschwanz ähnlich. Der Schmetterling hat jedoch keine Federn, sondern es sind verlängerte Schuppen, die dem Taubenschwänzchen helfen schnell und vor allem gezielt seine Flugbewegungen zu steuern.

Das Tier hat eine Flügelspannweite von 5 cm und in Ausnahmen auch 6-7 cm. Dies kommt vorwiegend in asiatischen Gebieten vor. Der Falter, der auch Kolibri-Schwärmer genannt wird, kann sowohl vorwärts als auch rückwärts fliegen. Dies können andere Falter oder Schmetterlinge nicht in dieser Form. Dazu kann er hervorragend in der Luft stehen und so mit seinem ca. 3 cm langen Rüssel auch aus tiefen Blüten Nektar trinken.

Der Körper des Tieres ist gedrungen und am vorderen Teil beharrt. Die Farbe ist graubraun und er hat weiße Haarbüschel am vorderen Flügelansatz. Die Fühler sind keulenförmig und verdicken sich nach vorn.

Wo kommt das Taubenschwänzchen her?

Die Taubenschwänzchen, die wir in Deutschland sehen, stammen alle aus Südeuropa. Denn das Taubenschwänzchen ist ein Wanderfalter und kommt in den Monaten Mai bis Juli aus Südeuropa nach Deutschland. Fast immer wird der Weg über die Alpen gewählt. Regelmäßig zu sehen war der Falter ab der Mitte der 1990er in Süddeutschland, da dort das Klima hauptsächlich in der Rheinebene ideal für diese Falterart war.

Mit der Klimaerwärmung hat sich das Tier immer weiter in den Norden vorgewagt. So wurden in den Jahren 2003 und 2006 auch in Norddeutschland die Taubenschwänzchen gesichtet. Diese beiden Sommer waren jedoch extrem heiß und es ist die Ausnahme, dass die Tiere so weit in den Norden wandern. Inzwischen haben sich die Taubenschwänzchen in Süddeutschland niedergelassen und überwintern auch hier.

Das Tier hat ein großes Verbreitungsgebiet, dieses erstreckt sich von Portugal und der Nordküste Afrikas bis nach Nordrussland und nach Südostasien. Vereinzelte Exemplare wurden sogar auf Island entdeckt.

Wovon ernährt sich das Taubenschwänzchen?

Das Tier hat den längsten Rüssel unter den tagaktiven Insekten, die sich von Blütennektar ernähren. Er erreicht eine Länge von bis zu 30 mm, so kann das Taubenschwänzchen auch aus Blüten trinken, die für andere Insekten nicht zu erreichen sind. Dies ist ein großer Vorteil für das Tier, denn so hat es ein Nahrungsangebot, das nicht mit anderen geteilt werden muss.

Ein weiterer Vorteil des langen Rüssels ist es, dass der Falter nicht zu nah an die Blüten heranmuss. So ist er vor Fressfeinden geschützt, die die Blüten als Deckung nutzen, um die Falter zu jagen. Wer einmal ein Taubenschwänzchen bei der Nahrungsaufnahme beobachtet hat, wird von der Geschwindigkeit beeindruckt sein. Sein Aufenthalt an jeder Blüte beträgt nur wenige Sekunden und Wissenschaftler haben beobachtet, dass er in 5 Minuten bis zu 100 Blüten besuchen kann.

Bei der Auswahl der Blüten ist das Taubenschwänzchen sehr flexibel. Bevorzugt werden zwar Blüten mit tiefen Kelchen, jedoch werden auch andere Blüten genutzt. Die Pflanzen, die es am häufigsten ansteuert, sind Storchschnabel, Petunie, Phlox, Flockenblume, Sommerflieder, Winde und Natternkopf.

Lebensweise des Falters

Das Taubenschwänzchen ist ein tagaktives Tier, gehört jedoch zur Gruppe der Nachtfalter. Sie sind robust und so sieht man sie auch bei Regenwetter regelmäßig nach Nahrung suchen. Prinzipiell mögen die Tiere die Wärme, große Hitze jedoch versuchen sie zu vermeiden. Dies ist der Grund, warum Beobachtungen zu dem Tier meist am Vormittag und Abend gemacht werden können.

Als Schlafplatz nutzen die Tiere häufig Steine und manchmal auch Hauswände, die von der Sonne aufgewärmt werden. Dort finden Sie sich in Gruppen zusammen, um gemeinsam zu ruhen. An diesen Plätzen findet auch die Paarung der Taubenschwänzchen statt. Die Tiere legen ihre Eier häufig an Labkraut und Sternmiere ab. Diese Pflanzen sind ein hervorragendes Futter für die Raupen.

Eine Raupe des Falters wird rund 5 cm lang und ist grün gefärbt. Die Raupe hat zwei Längslinien und kleine gelbweiße Punkte. Nach etwa 20 Tagen und kurz vor der Verpuppung verändert sich die Farbe der Puppe zu einem rotbraunen oder sogar leicht violetten Farbton. Die Falter aus der Mai bis Juli Eiablage schlüpfen im September und Oktober und sind fast immer Nachkommen aus der zugewanderten Population, die im Frühjahr über die Alpen kommt.

Zwischen drei und vier Falter Generationen gibt es jedes Jahr. Die Lebenserwartung eines flugfähigen Falters liegt bei etwa vier Monaten. Den Winter überleben die Tiere an einem geschützten Ort als Falter und Puppe. In Deutschland gibt es nur wenige Plätze, wo dies für das Taubenschwänzchen möglich ist. Die meisten davon liegen am Oberrhein, wo ein besonders mildes Klima auch im Winter herrscht.

Die Wanderschaft des Falters

Die meisten der Tiere kommen im Frühjahr über die Alpen nach Deutschland. Für diese Strecke nehmen Sie erhebliche Strapazen auf sich. Das kleine Energiebündel zeigt hier außergewöhnliche Leistungen. So sind Strecken von 2000 bis 3000 km auf ihrer Wanderschaft keine Seltenheit. Bei den Wanderungen erreichen die Taubenschwänzchen Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/Stunde.

Die Tiere, die im Frühjahr bei uns einwandern, sind die erste und zweite Generation des Jahres, die im Süden geschlüpft sind. Bis heute ist allerdings nicht sicher geklärt, wohin es die Falter beim Wintereinbruch in Deutschland zieht. Man weiß zwar, dass ein Teil hier überwintert, es ist jedoch nicht abschließend geklärt, ob die restliche Population zurück in den Süden wandert.

Das Taubenschwänzchen in Deinem Garten

Die Taubenschwänzchen sind äußerst flexibel und können in einem Stadtgarten, auf einem Balkon oder auch auf großen Freiflächen ihre Nahrung finden. Das Einzige, was sie nicht mögen, sind dichte Baumbestände. So wirst Du Taubenschwänzchen im Wald nur äußerst selten finden, auch Parks mit einem dichten Baumbestand werden von ihnen gemieden.

Die Tiere scheinen ein hervorragendes Gedächtnis zu haben und wenn sie sich einmal irgendwo niedergelassen haben, dann beschränkt sich ihr Radius, sofern das Nahrungsangebot stimmt, auf wenige Quadratkilometer. So kommen sie immer wieder an ihnen bekannte Nahrungsquellen zurück und suchen ebenfalls ihre Ruhe- und Schlafplätze immer wieder auf.

So kannst Du davon ausgehen, wenn Du einmal ein Taubenschwänzchen in Deinem Garten hast und ihm ein gutes Nahrungsangebot anbieten kannst, dass es immer wieder kommt. Das Tier ist ein hervorragender Bestäuber. Denn wie wir oben schon beschrieben haben, kann es innerhalb von 5 Minuten bis zu 100 Blüten besuchen und ist damit effektiver als jedes andere Insekt.